Brücken bauen gegen den Zahn der Zeit
Unterwegs mit Bauingenieur Johannes Dick
Eintrag Nr. 11/2025
Datum: 27.03.2025
Spiegelau. Sie sind Relikte aus der Vergangenheit und meist älter als der Nationalpark selbst – die 203 Brücken, die man von Finsterau bis Bayerisch Eisenstein in den verschiedensten Ausführungen findet. Dass an manchen der Zahn der Zeit genagt hat, ist nicht verwunderlich – dennoch stellt diese Situation die Nationalparkverwaltung vor eine große Aufgabe.
Geschickt klettert Johannes Dick, Bauingenieur im Nationalpark-Sachgebiet Servicezentren und Bauwesen, unter die Brücke nahe der Schwarzachstraße bei Spiegelau. Das Bauwerk, über das ein Wander- und Radweg verläuft, ist seit Monaten gesperrt. Den Grund erkennen selbst Laien, wenn sie den Blick nach unten richten. Die Fundamente, auf denen die Brücke steht – oder wie der Fachmann sagt die „Widerlager“, sind deutlich in Mitleidenschaft gezogen. Einige Steinbrocken sind schon herausgefallen. Nur dank einer Behelfsbrücke können Besucher die beliebte Route weiter nutzen. „Hier bleibt uns nichts anderes übrig als ein Ersatzbau“, sagt Dick.
Allein 203 Brücken im Nationalpark, davon mindestens 15 nicht mehr sanierungsfähig
Bei der Brücke nur wenige Kilometer weiter bachabwärts ist es fast genauso schlimm. Am Unterbau liegen Teile blank, der verrostete Stahl ist schon von weitem zu sehen, der Beton ist brüchig. Johannes Dick zückt sein Handy, dokumentiert die Lage mit Fotos und macht sich ein Bild vom Gesamtzustand der Brücke. Die Bestandsaufnahme ist für seine Unterlagen wichtig - auch wenn er nicht derjenige ist, der die verpflichtenden und turnusgemäßen Prüfungen durchführt. Dies obliegt einem unabhängig beauftragten Ingenieurbüro.
„Alle drei Jahre gibt es eine Brückenprüfung“, erklärt Dick. Die Prüfbüros beurteilen dabei alle wesentlichen konstruktiven Bestandteile und erfassen die vorliegenden Schadensbilder. Im Nationalpark gibt es 203 Brücken. 79 wurden in den vergangenen Jahren bereits einer Prüfung unterzogen, alleine 15 davon sind nicht mehr sanierungsfähig und müssen in den nächsten Jahren erneuert werden.
Auch Belange von Wasseramsel, Fledermaus, Bachforelle und Co. werden berücksichtigt
Mit der Entscheidung, dass ein Ersatzneubau notwendig ist, beginnt für Johannes Dick die Arbeit dann erst so richtig. Viele Akteure sind beteiligt – angefangen von der Unteren Naturschutzbehörde über das Wasserwirtschaftsamt, die Wasserrechtsbehörde in den Landratsämtern sowie die Fischereiberatung des Bezirks. „Naturschutz spielt hier eine große Rolle, schließlich gibt es rund um Brücken viele tierische Bewohner, wie die Wasseramsel, Fledermäuse, Bachforelle und Mühlkoppe“, erklärt Dick. Auch ihr Wohl hat bei jedem Ersatzneubau höchste Priorität.
Außerdem muss entschieden werden, wen oder was die Brücke tragen soll. „Wenn beispielsweise Holzlaster oder öffentlicher Verkehr über das Bauwerk rollen, wirken hier Verkehrslasten von mehr als 40 Tonnen“, erklärt Dick. Aber auch Nutzungen, wie beispielsweise das Skilanglaufen, erfordern eine entsprechende Dimensionierung, damit das Loipenspurgerät die Brücke gefahrlos passieren kann. Eine leichtere und filigranere Bauweise ist bei Rad- und Fußgängerbrücken möglich. „Diese wiederum müssen aber so schlank gebaut sein, dass auch tatsächlich kein Auto drüberfahren kann.“ Es ist eine richtige „Brückenbibel“, mit der sich Johannes Dick und seine Kollegen vom Besucher- und Flächenmanagement derzeit beschäftigen.
Um Einschränkungen für die Besucher zu vermeiden, hat die Nationalparkverwaltung drei Behelfsbrücken angeschafft. So können auch Wander- und Radwege an Brücken, die umgehend gesperrt werden müssen, weiter von den Besuchern benutzt werden – damit diese in gewohnter Weise die grenzenlose Waldwildnis genießen können.
Info: Dieser Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des Nationalpark-Magazins "Unser wilder Wald". Das Magazin liegt nicht nur in der Region aus, sondern ist als ePaper-Ausgabe auch auf der Nationalpark-Homepage veröffentlicht.